Montag, 9. Juli 2012

How to: Seife herstellen für Anfänger, Schritt für Schritt

Hallo ihr Lieben,

vor einiger Zeit, als ich mit dem Seife sieden begann, brachte ich bereits einen Artikel heraus, in dem es darum ging, welches Zubehör ihr für den Anfang eurer Siederkarriere benötigt. 
Jetzt möchte ich euch in Worten und mit einem Video, welches ihr bereits kennt, erklären, wie man denn überhaupt eine Seife herstellt. 

Viele von euch haben in meiner Umfrage an diesen Grundlagen Interesse gezeigt, und diesen Wunsch möchte ich euch natürlich auch erfüllen. Ich habe vor einigen Tagen bereits mein erstes Tutorial Video zur Lavendelseife hochgeladen, in dem ich euch gezeigt habe, wie man 1. einen Seifenleim herstellt und 2. diesen dann im Divider marmoriert. Hier könnt ihr es euch noch einmal anschauen:


In diesem Video seht ihr Schritt für Schritt, wie man Seife herstellt, von mir kommentiert.
Nun möchte ich es euch noch einmal in Worte fassen, und zwar von der Planung des Rezeptes und der Auswahl der Fette bis hin zum Anrühren der Natronlauge und dem Herstellen des Seifenleimes.
Lasst uns beginnen!


Erst die Theorie, dann die Praxis

Zunächst einmal: Seife sieden ist ein hochinteressantes Hobby, welches jedoch gelernt sein will. Man sollte nicht einfach an einem Tag lesen, dass man Seife überhaupt selbst herstellen kann und sich am nächsten Tag an die Töpfe machen, das ist auf keinen Fall zu empfehlen, denn es kann sehr viel schief gehen. Deswegen werden Neulinge in diesem Bereich, die völlig überstürzt in unser Forum, den Seifentreff, gerannt kommen, erst einmal gezügelt. Klar, anfangs ist man voller Enthusiasmus - und keine Angst, das wird sich kaum legen ;) - aber dennoch ist Vorsicht und Geduld gebeten. 
Bevor es ans Eingemachte geht, solltet ihr euch ausführlich über das Seife sieden informieren. Damit meine ich:
  • schaut euch z.B. auf meinem Blog die Anleitungen zum Seife herstellen an
  • lest euch auf Fachseiten, wie bspw. "Naturseife", lange ein (ihr solltet am besten die komplette Homepage lesen)
  • lest euch ein Buch über das Seife sieden durch, bspw. "Naturseife" von Claudia Kasper, dort findet ihr alle und mehr Infos wie auf der oben erwähnten Homepage, es geht hier nur um natürliche Seifen ohne chem. Zusätze, "Seifenwerkstatt" von Anne Schaaf - dort wird mehr auf die Optik der Seife eingegangen, oder "Seifen-Selbst gemacht".
  • euch im Seifentreff durchlesen: dort findet ihr Unmengen an Informationen über Fette, Seifenherstellung, Anleitungen, Probleme, Bilder, Farben, Duftstoffe, Online Shops und das Wichtigste: Gemeinschaft
  • wenn ihr Fragen habt, wendet euch an mich (meine Mailadrese findet ihr im linken Menü) oder die User des Seifentreffs
Ich persönlich habe mich sehr ausführlich auf der Naturseife Homepage informiert und mir das Buch dazu gekauft, welches fast die selben Infos wie auf der Homepage enthält, jedoch in Papierform. Außerdem habe ich mich sehr lange im Seifentreff eingelesen, ehe ich überhaupt angefangen habe mit dem Sieden. Ich habe mich ca. 1 Monat lang intensiv mit dem Thema beschäftigt und alle notwendigen Besorgungen gemacht. 

Es folgt der Shopping-Wahn

Nun solltet ihr alles Notwendige zum Seife herstellen besorgen. Wie ihr sicher schon festgestellt habt, braucht ihr einiges an Zubehör, wenn ihr zukünftig viel Spaß an eurem Hobby haben wollt. Töpfe, Löffel, Blockform, Divider, Fette usw. Das findet ihr alles in meinem Artikel "Luxus Grundausstattung - Seife". Ihr kommt natürlich auch mit wenig Zubehör aus, aber ich habe mir direkt die volle Ausrüstung zugelegt, und bereue nichts.


Von Kokosöl und Bienenwachs: die Gestaltung des Rezeptes

Jetzt habt ihr alles im Haus, um eine Seife zu sieden: Fette, Zubehör, NaOH, Duft und Seifenfarbe.
Aber wie zum Teufel soll man die nun vermischen, damit am Ende ein Stück Seife rauskommt? Dazu kommen wir später ;) . Erst einmal müssen wir ein Seifenrezept erstellen.
Ich empfehle euch dringlichst: macht eure erste Seife nach dem altbewährten 25er Rezept, also 25 (%) Kokosfett (Palmin), 25 Palmfett (Frittierstange), 25 Rapsöl und 25 Olivenöl.
Dieses Rezept ist schon lange erprobt und hat eine sehr ausgewogene Rezeptur, viele Erfahrene benutzen es auch nach Jahren noch. Es ist günstig bzgl. der Rohstoffe und unkompliziert bei der Herstellung.
Wenn ihr dieses Rezept jedoch bereits gesiedet habt, dann könnt ihr euch zur Rezeptplanung an folgendem orientieren:
  • Schaumfette sind Kokosöl, Babassuöl und PalmKERNöl, diese sorgen für guten Schaum in der Seife und sind auf jeden Fall notwendig. Ihr könnt sie mit 20-30% in eurem Rezept dosieren, Ausnahmen gibt es jedoch auch, z.B. bei der Salzseife. Diese schäumt wegen des Salzes kaum, deshalb kann man ruhig 50-70% Schaumfett verwenden. In einer normalen Seife kann das jedoch austrocknend wirken.
  • "Flüssig-Mach-Öl": das ist das Olivenöl, es sorgt dafür, dass euer Seifenleim schön geschmeidig und lange flüssig bleibt. Wollt ihr viel marmorieren, empfiehlt sich ein hoher Olivenöl-Anteil, bspw. 40%. Ihr könnt es natürlich von 0-100% dosieren, aber ein schöner Mittelwert wäre hier 20-35%. Seifen mit hohem Olivenölanteil müssen länger lagern, ca. 3-6 Monate. Reine Olivenölseifen profitieren von 1-2 Jahren Lagerung. Ein weiterer toller Effekt von Olivenöl: auf Dauer gesehen macht es die Seife sehr hart. Ein Nachteil jedoch: in sehr hohen Konzentrationen kann es zum Schleimen führen, die Seife schäumt dann weniger, sondern zieht Fäden. Daher immer mit Schaumfett kombinieren.
  • Hart-Mach-Fette: wie bereits erwähnt sorgt Olivenöl für harte Seifen. Jedoch gibt es in diesem Bereich auch noch viele andere Fette: bspw. das Palmfett, was wir auch als Frittierstange kennen, oder Schweineschmalz sowie Sheabutter. Palmfett und Schweineschmalz dosiere ich mit 20-40%, Sheabutter mit max. 10%, da es den Seifenleim sonst zu schnell andicken lassen kann. Ihr solltet insgesamt ca. mind. 40% dieser wirklich festen Fette in eurem Rezept haben. Wenn ihr jedoch einen hohen Olivenölanteil habt, können es auch weniger sein, dann muss die Seife jedoch ggf. länger lagern, ehe ihr sie aus der Form nehmen könnt. Ich bevorzuge 40-50% feste Fette (ohne Olive).
  • Glatte Seife: diese erhaltet ihr z.B. durch einen Zusatz von Bienenwachs (3-4%) oder Stearin (3-5%). Sie machen harte glatte Seifen, aber können den Seifenleim schneller anziehen (andicken) lassen. Stearin soll die Schaumqualität verbessern.
  • Schaumstabilisator: das ist das Rizinusöl, man nimmt davon eine Einsatzkonz. von 5%, es stabilisiert den Schaum der Seife, darf aber nicht höher eingesetzt werden, da es die Seife weich macht.

Eier, Milch und Honig - Zusatzstoffe in der Seife

Ihr denkt, das war's schon an Zutaten? Da habt ihr wohl falsch gedacht ;) . Wenn ihr ein Seifensieder seid, seht ihr die Welt anders. Ihr geht in den Supermarkt, kauft Joghurt ein und fragt euch "Ob man den auch in Seife versenken kann?" Ihr geht weiter, kommt zu den Eiern und denkt "die sind doch bestimmt gut für eine Haarseife geeignet". Wenn ihr bereits so denkt: Willkommen im Club der Seifensieder!
Wir denken ständig darüber nach, was man alles in Seife schmeißen könnte. Dabei gibt es eine große Auswahl, die ich euch nun näher bringe möchte:

  • Milchprodukte: ihr könnt die Lauge mit gefrorener Milch anrühren, es entsteht eine Milchseife, ihr könnt die Laugenflüssigkeit reduzieren und Joghurt/Quark/Mascarpone/...(10% der Gesamtfettmenge) in den fertigen Seifenleim geben, ihr könnt Sojamilch oder Sojasahne in Seife geben, die Liste ist beliebig erweiterbar
  • Seide: sorgt für eine bessere Schaumqualität, man löst sie in der heißen Lauge auf und nimmt 1g auf 1kg Fette
  • Früchte und Grünzeug: ihr könnt Avocados pürieren und in den Seifenleim geben, ihr könnt Brennnesseln, Pfefferminze, Zitronenmelisse ... in den SL geben und pürieren
  • Honig ist in einer geringen EK von 5-8% einsetzbar
  • Mohnkörner: sorgen für ein schönes Peeling
  • Sand: schrubbelt jede Männerhaut weich
  • Salz: dosiert mit 100-300% ergibt dies Salzseifen
  • Sole: Lauge damit anrühren, macht sehr harte und helle Seifen
  • Blüten: Ringelblumen färben die Seife orange (Achtung: die meisten Blüten werden braun!)
  • ...
Lasst eurer Kreativität freien Lauf!

Zurück auf die Schulbank? Berechnung der NaOH Menge

Keine Angst. Euch werden keine komplizierten Formeln und schwierige Rechenwege abverlangt, das geht alles online ;) . 
Wenn euer Seifenrezept endgültig steht, dann könnt ihr einen der zahlreichen Seifenrechner aufsuchen, um die Menge des Natriumhydroxid zu berechnen.
Empfehlen kann ich da:

  1. der Rechner von Naturseife (er ist auf deutsch)
  2. soapcalc, ein englischer und ausführlicher Rechner (mein Favorit)
  3. hier könnt ihr euch weitere Rechner anschauen
Die NaOH Menge ist abhängig von eurer gewählten Überfettung. Aber was ist das, eine Überfettung?
Handgesiedete Seifen werden überfettet, um sie pflegender zu gestalten. Das heißt, es sind Fette und Öle in der Seife nicht verseift worden, da die berechnete Menge des NaOH nur für bspw. 90% eurer Fette/Öle ausreicht, die restlichen 10% bleiben Öle, werden nicht verseift. Dieses zusätzliche Öl pflegt die Haut und wirkt einer Austrocknung dieser entgegen. Ich persönlich bevorzuge eine ÜF von 10%, nehme aber auch einmal 9 oder 12%. Ein Durchnschnittswert ist, so hat es eine Umfrage im seifentreff ergeben, ist eine ÜF von 8-10%.

Bei soapcalc könnt ihr direkt eingeben, welche ÜF ihr haben wollt. Dort gibt es das Feld "Superfat".
Bei Naturseife wird auch am Ende eine Tabelle ausgespuckt, in der alle NaOH Mengen für eine ÜF von 0-15% bereitstehen. Außerdem spuckt Naturseife noch eine Empfehlung für die Flüssigkeitsmenge für die Lauge aus. Bei soapcalc könnt ihr dies selbst eingeben.

 → Die Flüssigkeit für die Lauge

Man nimmt zum Anrühren des NaOH, also zur Herstellung der Natronlauge, pauschal 33% der Gesamtfettmenge an Flüssigkeit, also bei 1000g Fette nimmt man 330g Wasser + die berechnete Menge NaOH. Diesen Wert kann man jedoch auch varrieren:
- wollt ihr einen lange flüssigen Seifenleim, könnt ihr auch auf 38% erhöhen
- wollt ihr eine schnell harte Seife könnt ihr auf 25% verringern, oder ihr nehmt gleich eine 1:1 Lauge, also die gleiche Menge Wasser wie NaOH, was jedoch gefährlicher beim Herstellen ist, da alles sehr heiß wird und Dämpfe entstehen
- bei reinen Olivenölseifen empfiehlt sich eine starke Wasserreduktion

Duft und Farbe für die Seife

Jetzt könnt ihr noch euren Duft ausrechnen: man nimmt durchschnittlich 3-4% Duft. Das wären also auf 1kg Fett, 30-40g Parfumöl oder ÄÖ.

Die Pigmente berechne ich nicht, das wäre mir zu kleinlich. Bei Flüssigseifenfarben nehme ich ein paar Spritzer, bis der SL schön eingefärbt ist. Bei pulvrigen Pigmenten nehme 1-4 Messerspitzen voll. Ich gehe da schlicht und einfach nach der Optik des Seifenleimes. Ihr solltet jedoch nicht zu viel nehmen (TL weise), ansonsten bekommt ihr bunten Schaum.

Und nun zum Hauptteil: das Seife Sieden

Jetzt seid ihr endlich so weit: ihr könnt damit beginnen, eure erste Seife zu sieden!

Die Vorbereitung

Zu allererst bereitet ihr euren Arbeitsplatz vor: ihr legt die Arbeitsflächen mit Zeitungspapier oder etwas anderem aus, was man anschließend einfach wegwerfen kann oder leicht abzuwischen ist. Ich nehme dafür eine wasserabweisende Plastik Tischdecke. Jetzt legt ihr euer Arbeitswerkzeug aus, dazu gehören:

  • Schutzbrille
  • Sieb zum Sieben der Lauge
  • Plastik Handschuhe
  • Kittel
  • eine grobe Waage (1g) zum Abwiegen der Fette
  • eine Feinwaage (0,05g) zum Abwiegen des NaOH
  • Plastikgefäße (1L, 0,5L) zum Anrühren de Lauge, der Öle, des Seifenleims
  • Schüssel fürs NaOH
  • einige Plastiklöffel zum Umrühren
  • Messer zum Schneiden der festen Fette
  • Thermometer
  • Küchenrolle
  • Handtücher
  • alle Fette und Öle parat legen
  • Duft und Pigmente parat legen
  • einen Topf für den Seifenleim
  • Pürierstab zur Herstellung des SL
  • eure Formen für die Seife
  • Frischhaltefolie zum Abdecken der Formen
  • Schaschlick Stäbchen zum Marmorieren
  • kleine Bechergläser für den Duft
  • Spatel zum Entnehmen der Pigmente
Wichtig: ihr dürft keine Aluminium Teile verwenden! Dieses reagiert mit der Natronlauge, das Alu oxidiert und die Seife ranzt!

Das sind die Sachen, die ich mir zurecht lege, bevor ich mit dem Sieden beginne.

Die Lauge anrühren

Zuerst rühren wir die Lauge an. Das kommt daher, da sie sich am meisten aufheizt und somit viel Zeit zum Abkühlen benötigt, normalerweise. Ich rühre sie jedoch gerne mit 50-75% Eiswürfeln an, sodass sie gar nicht erst so heiß wird. Wenn ihr die Lauge nur mit Wasser anrührt, wird sie nachher bei 33% Flüssigkeit ca. 80°C haben. Wenn ihr sie mit 100% Eiswürfeln anrührt, wird sie 40-50°C haben. Und nun Schritt für Schritt:

  1. wiegt euer NaOH in einer Schüssel ab
  2. wieg eure Flüssigkeit in einem 1 Liter Becher oder einem großen 600ml Becherglas ab
  3. nun zieht ihr eure Schutzausrüstung an, das ist sehr wichtig, da die Lauge auf der Haut zu Rötungen bis hin zu Verätzungen führen kann, in den Augen kann sie zur Erblindung führen, daher ist eine Schutzbrille, Gummihandschuhe sowie eine Schürze Pflicht!
  4. jetzt gebt ihr das NaOH in ca. 5 Portionen zu der Flüssigkeit, ihr müsst immer umrühren, damit sich alles löst, wenn sich die 1. Portion gelöst hat, gebt ihr die 2. hinzu. Macht dies am besten unter einer Abzugshaube oder auf dem Balkon bzw. vor geöffnetem Fenster. Atmet die Dämpfe nicht ein!
  5. wenn sich alles gelöst hat, könnt ihr die Lauge beiseite stellen. Jetzt muss sie abkühlen. Alternativ könnt ihr ein Waschbecken mit kaltem Wasser füllen, euer Laugengefäß dort hinein halten und immer umrühren, das macht ihr ca. 10 Minuten lang, dann ist die Lauge schon gut abgekühlt. Sie sollte 30-40°C aufweisen.
Die Fette abwiegen

Jetzt könnt ihr euch dran machen, die Fette und Öle abzuwiegen. Zunächst wiegt ihr die festen Fette in den Topf hinein und stellt diesen dann auf die Herdplatte, um sie sanft zu schmelzen. Dann wiegt ihr die flüssigen Öle in ein 1 Liter Gefäß ab, diese werden nicht mit erhitzt, da sie nachher die geschmolzenen heißen Fette herunterkühlen sollen. Die Fette sollten anschließend ebenfalls 30-40°C aufweisen, wenn ihr sie mit der Lauge vermengt.
Sind die Fette geschmolzen, gießt ihr die Öle einfach in den Topf, rührt um und messt die Temperatur. 

Duft abwiegen und Farben anrühren

In der Zwischenzeit wiegt ihr in einem kleinen Becherglas euren Duft ab.
In großen Bechern könnt ihr nun die Farben anrühren, mit denen ihr euren SL nachher einfärben wollt.
Wenn ihr bspw. 2 Schichten in eurer Seifen möchtet, nehmt ihr ein Gefäß, was ungefähr die Hälfte des Seifenleims fasst, bei 1kg GFM wäre z.B. ein 1 Liter Gefäß zu empfehlen.
Habt ihr pulvrige Pigmente, rührt ihr diese nun in diesem Gefäß an. Je nachdem worin die Pigmente löslich sind, müsst ihr Wasser oder Öl zum Anrühren nehmen.
Habt ihr Flüssigfarben, könnt ihr diese erst nachher dazugeben, wenn ihr den SL schon in das Gefäß gefüllt habt.

Die Seifenformen vorbereiten

Nun könnt ihr auch eure Formen vorbereiten. Ihr könnt das entweder jetzt tun, oder bereits vor der gesamten Prozedur. Wenn ihr es jedoch jetzt macht, haben Lauge und Fette noch mehr Zeit, um abzukühlen.
Wenn ihr eine Blockform nehmt, könnt ihr diese mit Backpapier auslegen.
Einen Divider legt man am Boden mit Frischhaltefolie aus.
Einzelformen muss man nicht vorbereiten, ihr könnt jedoch, wenn ihr wollt, etwas Perlglanzpigment hineinstreuen, damit eure Seifen anschließend bunt glitzern.

Die Temperaturen kontrollieren

Nun ist die Lauge angerührt, die Fette sind geschmolzen und gemischt. Jetzt müsst ihr von beidem die Temp. kontrollieren: sie sollte, wie bereits erwähnt, 30-40°C haben, arbeitet ihr sehr kühl, dann bleibt euer Seifenleim nachher länger flüssig, da Wärme beim Prozess der Verseifung als Katalysator dient.


Den Seifenleim herstellen

Jetzt kommt der Hauptteil: ihr stellt den Seifenleim her.

  1. gebt die Natronlauge durch ein Sieb vorsichtig zu den Fetten im Topf, NaOH Klümpchen können im Sieb zurückbleiben
  2. nun könnt ihr kurz mit einem Löffel umrühren, dann nehmt ihr euren Pürierstab und beginnt zu pürieren: es entstehen "weiße Wolken", die Lauge verbindet sich also mit den Fetten. Das macht ihr so lange, bis eine homogene Masse entstanden ist, das kann 30 Sekunden bis 2 Minuten dauern, wenn ihr jedoch zu lange rührt, dickt euch der Seifenleim auch schnell an und sehr feine Marmorierungen sind dann nicht mehr möglich, wenn ihr aber nur eine einfache Seife haben wollt ohne Divi Marmorierung o.ä. könnt ihr die Seife natürlich weiter rühren. Wenn der SL dicker geworden ist und in Linien liegen bleibt, wenn ihr den Püstab rauszieht, nennt  man dies "der Seifenleim zeichnet". Dann gibt es noch das Kartoffesuppestadium: dies ist erreicht, wenn der SL eben wie eine dicke Suppe aussieht. Desweiteren gibt es das Puddingstadium, wenn der SL die Konsistenz von einem zähen Pudding hat. Wenn ihr lange rührt, beschleunigt das die Verseifung.
  3. ist der SL nun homogen, dann habt ihr es geschafft: er ist fertig
Färben des Seifenleims

Wenn ihr mehrere Farben in eurer Seifen möchtet, könnt ihr diesen nun auf eure Gefäße mit den Pigmenten aufteilen. Verrührt in gut, bis er komplett eingefärbt ist. Ggf. könnt ihr die Farbe nachdosieren.

Den Duft hinzufügen

Kurz bevor ihr die Seife in die Form gibt, gebt ihr das PÖ dazu. Habt ihr mehrere Becher mit SL, dann gebt ihr in jeden ein wenig Duft, alternativ könnt ihr den Duft auch nur in 1 Schicht tun, wenn ihr wisst, dass er verfärbt. Wenn ihr z.B. eine Rot-Weiße Seife machen wollt und ein PÖ nimmt, welches beige verfärbt, dann könnt ihr dieses nur in die Rote Schicht geben. Diese wird dadurch etwas dunkler, aber bleibt rot. Die weiße Schicht bleibt weiß.
Also wie gesagt: kurz bevor ihr den SL in die Form gießt, den Duft hinzufügen und umrühren.
Seid gefasst vor bösen Andicker PÖs: Blüten und Fruchtdüfte sind dafür berüchtigt, dass sie die Seife ruckzuck hart machen, manchmal habt ihr kaum noch Zeit, diese in ihre Form zu verfrachten. Andere PÖs machen aus eurer Seife Grießbrei, die Seife trennt sich. Daher empfehle ich, mit jedem PÖ einen Test zu machen, indem ihr einen SL herstellt, davon je 100g in Becher zu geben und zu jedem Becher das zu testende PÖ zu geben, umrühren, etwas warten und schauen, ob es stark andickt. Ihr könnt euch auch im Seifentreff durchlesen, dort gibt es bereits etliche Tips zu PÖs.

Einformen

So, jetzt ist es an der Reihe, die Seife einzuformen.
Ihr könnt sie einfach in Förmchen gießen, in eine Blockform gießen, im Divider marmorieren, ganz wie ihr möchtet. Es gibt 1000ende Gestaltungsanleitungen, schaut mal auf YouTube nach "Swirl Soap" oder geht zum Seifentreff, hier bzw. hier hin. Das ist meiner Meinung nach das schwierigste an der Seifenherstellung, denn beim Gestalten kann vieles schief gehen und oft läuft es dann doch anders als geplant, das ist ganz normal bei der Seifenherstellung.


Isolieren

Die Seife kann nun eine Gelphase durchmachen. Eine Gelphase ist ein chem. Prozess, bei dem sich die Seife aufheizt und auf einmal transparent aussieht. Dabei findet die Verseifung statt.
Außerdem benötigen viele Seifenfarben eine Gelphase, um richtig schön stark rauszukommen. Desweiteren ist die Seife dann schneller reif, ihr könnt sie in 1 Monat bereits anwaschen. Ohne Gelphase solltet ihr länger warten. Um die Gelphase zu unterstützen, solltet ihr eure Seife warm einpacken, in Decken und Handtücher, optimalerweise mit Heizdecke/Kissen. So verbleibt die Seife bis zum nächsten Tag, man "legt sie schlafen". Alternativ könnt ihr eine ITMHP machen, dann benötigt ihr keine weitere Reifezeit mehr. Schaut euch dazu bitte diesen Artikel von mir an.

Ausformen

Nach 1-7 Tagen könnt ihr die Seife ausformen. Ich muss gestehen, ich kann maximal 2 Tage darauf warten, denn es ist wirklich spannend, wie die Seife nun geworden ist.
Am besten friert ihr eure Seife über Nacht ein, dann wird sie schön hart und ihr beschädigt sie nicht beim Ausformen. Bei Divi Seifen und Einzelförmchen, die man nicht mehr schneiden muss, ist es schon ratsam. Bei Blockformen mache ich das nicht, denn gefrorene Seife kann man nicht schneiden  und wenn sie auftaut, ist mir dort zuviel Kondenswasser.
Also, fühlt einfach mal eure Seife: drückt mit dem Finger drauf, ist sie schon hart? Gibt sie noch sehr nach? Wenn sie noch zu weich ist, wartet noch ein paar Tage, wenn sie recht hart ist, dann könnt ihr sie ausformen. Mein Tip für Einzelförmchen: macht diese Seifen unbedingt mit Sole als Laugenflüssigkeit, dann ploppen die Förmchen einfach so raus!

Lagern

Jetzt nehmt ihr am besten einen Pappkarton, z.B. aus der Gemüse Abteilung im Supermarkt. Dort stellt ihr eure Seifen auf, sodass viel Luft dran kommt. Sie müssen nun aushärten, die Feuchtigkeit verdunstet mit der Zeit. Je länger sie lagern, desto härter werden sie. Außerdem ist eine mind. 1 Monatige Lagerung notwendig, da in dieser Zeit die Verseifung noch weiter statt findet, eure Seife wird mit der Zeit immer milder.

Küsschen-Test

Bevor ihr eure Seife verwendet, macht ihr von jeder Charge den "Küsschen-Test" an einer der Seifen. Ihr geht mit eurer Zunge an die Seife: wenn es pritzelt, wie bei Brause, dann ist noch unverseiftes NaOH drin. Das sollte nach 1-2 Monaten jedoch nicht passieren. Es sollte lediglich nach Seife schmecken. Haltet eure Zunge mal an eine ganz frische Seife, ihr werden lernen, was pritzeln ist. Keine Angst, tut nicht weh ;) . 

Verpackung

Jetzt ist es geschafft! Ihr könnt die Seife verpacken. Ich verpacke meine immer in Cellophanfolie, welche atmungsaktiv ist, und füge Etiketten, Banderolen etc. hinzu. Die Folie verhindert, dass der Duft verfliegt.
Schreibt immer die Inhaltsstoffe sowie das Produktionsdatum auf die Verpackung.

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meine allererste Seife

Das hier war übrigens meine erste Seife ;) . Sie wurde ganz anders, als geplant.



So, das war's auch schon. Wenn ihr Feedback habt, nur her damit!
Wenn euch Anfängern noch Fragen offen stehen, dann lasst es mich wissen. Ich bearbeite meinen Artikel natürlich gerne für euch, um ihn noch verständlicher zu gestalten.

Kommentare:

  1. Was für eine tolle Beschreibung. Hätte ich am Anfang auch gerne gehabt. Da hast du dir wirklich viel Arbeit gemacht. Alle Anfänger werden dir sehr dankbar sein.

    LG Shiana

    AntwortenLöschen
  2. Wow, da hast du dir aber eine Menge Arbeit gemacht, Hut ab.

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  3. Ich liebe deinen Blog!! Danke für deine ausfürlichen ERklärungen. Möchte das Seifenmachen nun auch ausprobieren.
    Kannst du mir sagen, woher ich so eine Seifenform bekomme? Wie teuer ist sie und hast du "Grundrezepte" bzw Rezepte für Anfänger, die nicht so viele ver. Zutaten (Öle,Fette) haben? LG

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank für dein Kompliment Nicole :), so etwas freut mich immer sehr.
      Les dir mal den Artikel "Luxus Grundausstattung für Anfänger" durch, dort steht alles über Seifenformen und auch das beste Grundrezept.
      Aber kurz gesagt: Blockform von salina und lumbinigarden, Grundrezept 25% Olivenöl, 25 Rapsöl, 25 Palmfett, 25 Kokosöl.
      Liebe Grüße!

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  4. Woher weiß ich ob meine Seife die Gelphase schon durchgemacht hat?

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  5. Also erstmal danke für die tolle Anleitung ohne die wär ich komplett aufgeschmissen gewäsen als ich vor 1 Woche meine 1. Seife selbst hergestellt habe. Das Problem ist jetzt nur das ich etwas falsch gemacht habe und zwar habe ich aus irgendeinem Grund den Abschnitt über das Isolieren übersprungen und habe die Seife auf den Balkon gestellt... schön blöd... am nächsten morgen war dann zwar nicht mehr flüssig aber trotztdem noch recht weich. Das blieb für einige Tage so bis ich ungeduldig geworden bin und im Internet nach einer Lösung für mein Problem gesucht habe. Dann wurde mir natürlich gleich klar was ich falsch gemacht hatte, worauf ich dann versucht habe die Seife mit Hilfe des Backofens doch noch die Gelphase erreichen zu lassen (die Seife hat "geschwitzt", soll das so sein?). Nach dem Rausholen hab ich sie dann isoliert und über die Nacht so stehen lassen. Am nächsten Morgen war die Seife schon ein bisschen fester, aber auch ziemlich fettig. Ganz fest ist sie aber immer noch nicht und das jetzt wiegesagt schon 1 Woche nach der Herstellung. Meine Fragen sind jetzt woher ich weiß ob meine Seife die Gelphase durchgemacht hat und was ich machen kann damit sie fest wird?

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    Antworten
    1. Hey, nein das war eher nicht so gut. Wenn die Seife erstmal fest ist, ist die Reaktion größtenteils abgeschlossen und sie kann sich nicht mehr aufheizen um in die Gelphase zu kommen und auch nicht durch aktive Hitzezufur dahingelangen. Wenn man Seife kühl stellt wird sie weich und matschig, manchmal bröselig, daher mache ich das nur ungerne (bei Milchseifen muss man es). Es ist nicht schlimm wenn die Seife nicht in die Gelphase gekommen ist, dann lässt man sie etwas länger in der Form und friert sie ggf ein damit sie sich gut ausformen lässt. Anschließend lässt man sie auftauen, schneidet sie und lässt sie lange reifen. Sie wird sich jedoch nie so anfühlen wie eine Seife mit Gelphase. Das Schwitzen kommt daher dass du sie nachträglich erhitzt hast und das ÜF Öl tritt aus, das ist nicht gut. Sie könnte dadurch scharf werden. Daher solltest du einen Küsschen Test machen.

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