Freitag, 20. Dezember 2013

Cremeherstellung für Anfänger: a) Grundlegende Fragen


Intro

Mit der folgenden Artikelserie wende ich mich an diejenigen unter euch, die gerade ganz am Anfang der eigenen Kosmetikherstellung stehen und durch den ganzen Dschungel an Informationen noch nicht so ganz durchblicken können. Dieser Artikel soll eine kleinen Überblick über die Bestandteiel von Emulsionen wie z.B. Öle, Emulgatoren, Gelbildner u.v.m. geben und Herstellungstechniken aufzeigen, um die erste Creme herzustellen. Ich spreche absichtlich von einem "kleinen Überblick", da dieses Thema einfach unglaublich umfassend ist. Daher verweise ich alle Anfänger, die gute Naturkosmetik nach modernsten Erkenntnissen herstellen wollen, an die Bücher von Heike Käser von der Website olionatura.de . In ihren Büchern wird jedes Detail wissenschaftlich fundiert erläutert.



Artikelserie "Cremeherstellung für Anfänger":

Inhaltsverzeichnis

a) Grundlegende Fragen
b) Cremebestandteile und deren Funktion
c) Berechnung eines Beispielrezeptes

d) Praxis: Herstellung einer OW- Emulsion

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Cremeherstellung


a) Grundlegende Fragen

Was ist eine Creme eigentlich?

Eine Creme ist eine Emulsion aus einer Fett- und Wasserphase, also zweier Komponenten, die normalerweise nicht mischbar sind. Emulsion bedeutet, dass eine Phase sehr fein in der anderen verteilt ist - in den meisten Fällen ist die Fettphase sehr fein in der Wasserphase verteilt. Dies nennt man dann OW-Emulsion, hier dominiert der Wasseranteil wobei gleichzeitig der Fettanteil relativ gering ist. Gegenteilig gibt es auch die WO-Emulsionen: hier ist wenig Wasser in einer hohen Fettphase verteilt, solche Emulsionen sind sehr stark rückfettend wohingegen OW-Emulsionen mit ihrer wasserbasierten Formel eher leicht und feuchtigkeitsspendend sind. Man erreicht solch fein ineinander verteilten Phasen durch hochtouriges Emulgieren z.B. mit dem Stabmixer: dabei werden die Öltröpfchen (OW) klein zerschlagen und eine feine, weiße Creme entsteht.

Eine OW-Emulsion: durch feinstes Verteilen der Öltröpfchen in der Wasserphase erhält man eine schneeweiße Creme

Doch wie können sich zwei Phasen wie Wasser und Öl dauerhaft verbinden?

Füllt man ein Marmeladenglas mit Wasser, fügt einen Schluck Olivenöl hinzu und schüttelt kräftig, so verteilt sich das Olivenöl im Wasser, es bildet feine Tröpfchen aus und das ganze Gemisch scheint zunächst trüb und milchig. Wartet man jedoch ein paar Minuten, setzt sich das Öl wieder oben auf der Wasserphase ab. Was ist hier passiert? Nun, wir haben zunächst eine Kurzzeit-Emulsion hergestellt, das Öl war fein im Wasser verteilt. Mit der Zeit flossen die Öltröpfchen jedoch zusammen, sie koagulierten. Dies geschah so lange, bis sämtliche Öltröpfchen zusammengeflossen waren und sie wieder, wie ursprünglich, als zweite Phase auf der Wasserpahse auflagen. Um den Zustand der feinen Öltröpfchen-Verteilung im Wasser permanent zu erhalten, also die zwei Phasen dauerhaft miteinander zu verbinden, benötigt man einen Emulgator. Dies ist ein Stoff, der aufgrund seines molekularen Aufbaus zwei verschiedene Bereiche aufweist: eine hydrophile (wasserliebend) und eine lipophile (fettliebend) Seite. Bei einer OW-Emulsion ragen hierbei die lipophilen Bereiche (lange, unpolare Kohlenstoffketten) in die Fetttröpfchen hinein und die hydrophilen Bereiche (polarer, kleiner Kopfteil des Moleküls) orden sich an der Grenze Fett zu Wasser an, sodass jeder Bereich des Moleküls zufrieden gestellt wird. Diese Anordnung bewirkt, dass die Öltropfen nicht mehr koagulieren (zusammenfließen) können und die Emulsion somit stabil bleibt.

In der unteren Grafik seht ihr z.B. den bekannten Emulgator Emulsan, nach INCI Deklaration Methyl Glucose Sequistearate: der lange, lipophile Teil besteht hier aus einer sehr langen Fettsäurekette.

Quelle:www.guidechem.com



Wie genau pflegt eine Emulsion die Haut?

Einen sehr wichtigen Bestandteil zur Pflegewirkung einer Creme wurde bereits oben erwähnt: dies sind die Fette und Öle, die in der Wasserphase fein verteilt vorliegen. Zu der sogenannten Fettphase zählen neben Emulgatoren und Konsistenzgebern hauptsächlich Pflanzenöle und Buttern. Diese Lipide natürlichen Ursprungs sind sehr wertvoll für die Haut, da sie eine gewisse Affinität zu ihr besitzen. Sie werden aufgenommen und in unserer Haut zu wichtigen Bestandteilen umgebaut. Außerdem enthalten unraffinierte Öle noch Fettbegleitstoffe wie Phytosterole oder Lecithine, welche besonders wertvoll sind da sie für viele Hautbausteine benötigt werden. Andere Öle liegen hingegen mehr auf, werden nicht so schnell aufgenommen und bilden somit eine schützende Schicht die das Verdunsten der eigenen Hautfeuchtigkeit verhindert.


Auch eine wichtige Rolle spielen die Wirkstoffe, die meist in die abgekühlte Emulsion gegeben werden. Als Wirkstoffe werden Substanzen eingesetzt, die die Hautfeuchtigkeit bewahren. So finden oft Salze wie Natriumlactat (das Natriumsalz der Milchsäure), Zinc PCA (das Zinksalz der Pyrrolidoncarbonsäure) oder Sodium PCA (das Natriumsalz der eben genannten Carbonsäure) ihre Verwendung als Feuchtigkeitsspender, da sie Wasser als Kristallwasser binden und dieses somit nicht mehr aus unserer Haut verdunsten kann. Unsere Haut stellt die eben genannten Stoffe auch bereits selbst her: man bezeichnet sie als NMF (Natural Moisturising Factor), wozu beispielsweise auch Urea zählt.




Wie macht man eine Emulsion länger haltbar?

Wenn man den Aufbau einer Emulsion mal näher betrachtet, so fällt auf: sie besteht überwiegend aus Wasser (OW-Emulsion) und enthält organische Stoffe wie z.B. Fette. Dies stellt ein Paradies für Bakterien und Schimmelpilze dar! Diese benötigen zum Leben natürlich Wasser und Nahrung, die in Form von organischen Stoffen wie Fetten in einer Creme zur Verfügung stehen. Eine unkonservierte Emulsion wäre innerhalb weniger Tage überwuchert mit Mikroorganismen und früher oder später wäre dies auch in Form von Schimmel oder unangenehmen Gerüchen bemerkbar. Wird eine Creme aus einer Dose entnommen, so tragen wir mit jeder Entnahme mit den Fingern mehr Bakterien in die Creme. Diese können und werden sich fortpflanzen und die Kontamination steigt immer weiter an. Auch wenn man dies anfangs nicht sieht: eine Creme ohne Konservierung überschreitet sehr schnell einen gewissen Punkt, an dem die Verwendung als Hautpflegemittel auf jeden Fall abzusehen ist! Glücklicherweise gibt es Konservierungsmittel: diese verhindern das Bakterien- und Schimmelpilzwachstum, sodass wir unsere Cremes 1-2 Monate lang verwenden können. Dieser Zeitraum ist jedoch nur gültig, wenn die Creme sehr hygienisch entnommen wird - und das heißt nicht mit den Fingern - und mit sorgsam desinfiziertem Besteck hergestellt wurde. Wenn wir eine Creme frisch hergestellt haben sind dort relativ wenige Organismen vorhanden. Mit dem Konservierungsmittel töten wir die vorhandenen Bakterien ab, indem lebensnotwendige Funktionen gestört werden. Das Konservierungsmittel wird daher weitestgehend verbraucht - man könnte nun natürlich mehr Konservierungsmittel einsetzen um auch zukünftig eingetragene Bakterien abzutöten, jedoch geht dies dann zulasten unserer Hautgesundheit: auf unserer Haut leben viele nützliche Bakterien und setzen wir Konservierungsmittel im Überschuss ein, so kann dies auch unsere eigenen, guten Bakterien angreifen und unsere Hautfunkionen stören. Daher heißt es hier: so viel wie nötig, so wenig wie möglich verwenden. Schließlich ist noch zu beachten: viele Konservierungsmittel benötigen einen bestimmten (meist sauren) pH-Wert, um wirksam zu sein, so z.B. Rokonsal BSB-N. Die Emulsion sollte nach der Konservierung  auf den angegebenen pH-Wert eingestellt werden, damit das Konservierungsmittel "aktiviert" wird und bakterizid wirkt.


Lies auch die folgenden Artikel zu dieser Themenreihe:

Teil b) Cremebestandteile und deren Funktion
Teil c) Die Berechnung eines Beispiel-Rezeptes
Teil d) Praxis: Die Herstellung einer OW-Emulsion anhand des Beispiels

1 Kommentar:

  1. Liebe Sarah,
    vor ziemlich genau einem Jahr habe ich angefangen mich mit Seifen und Badezeugs aller Art zu befassen. Ich kann mich noch sehr gut erinnern wie ich bei meinen ersten Versuchen mit dem Laptop in der Küche stand und deinen Blog rauf und runter gelesen haben. Das mit den Seifen habe ich mittlerweile gelernt und daran hast auch du einen großen Anteil!
    Nun will es das "Schicksal", dass ich anfange mich mit dem Creme rühren auseinanderzusetzen. Bisher verstehe ich ziemlich viel Bahnhof. Und gerade da beschließt du, für all die Unwissenden alles verständlich zu erklären. Ich danke dir dafür!!!
    Lieben Gruß & ein schönes Weihnachtsfest
    Sabine

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